Yahoo stellt Firmenphilosophie um – zu Recht

4. März 2013

Seit einigen Tagen macht die Meldung die große Runde: Marissa Mayer, CEO von Yahoo und ehemaliges Google-Urgestein, schafft das Home-Office für ihre Mitarbeiter ab und beordert die sie zurück ins Büro.

Vorwurfsvoll fragt Varinia Bernau in der Karriere-Sparte von Süddeutsche.de, ob „es nicht gerade das Anliegen der hippen Start-ups [gewesen sei], die Leute dort herumtüfteln zu lassen, wo ihnen eben die besten Ideen in den Kopf kamen?“. Von „Zuckerbrot“ (kostenlose Smartphones für alle Mitarbeiter) und „Peitsche“ (Büro statt Home-Office) ist die Rede.
Es entbrannte eine Debatte, ob denn die Chefin des angeschlagenen Suchmaschinenkonzerns damit richtig reagiert, ob Home-Office nicht insgesamt gescheitert ist oder unzufriedene Mitarbeiter jetzt das Weite suchen.

Blick hinter die Kulissen zweier Arbeitskulturen

Richtig interessant zu der aktuellen Diskussion ist aber der Beitrag von Kristian Köhntopp auf Google+. Köntopp war Mitarbeiter bei der Firma MySQL, die laut seiner Beschreibung ein „virtueller“ Konzern war – sprich zu einem Großteil aus Home-Office Mitarbeitern bestand. MySQL war grundsätzlich dafür so aufgebaut worden und gänzlich darauf ausgelegt. In seinem ausführlichen Post beschreibt er seinen Wechsel zu Booking.com, deren Arbeitsweise stark auf die Anwesenheit der Mitarbeiter im Büro vor Ort basiert. Er gibt einen spannenden und erstaunlich offenen Blick hinter die Kulissen über die beiden Arbeitsmethoden und zieht daraus sein eigenes Fazit:
Entgegen vieler gekürzter Meldungen aus dem deutschsprachigen Raum gehe aus dem NY-Times Artikel durchaus hervor, dass Marissa Mayer ganz genau weiß, was sie macht und es hier nicht um eine Machtdemonstration geht. Sie muss die Firmenphilosophie umkrempeln, mehr Agilität und Geschwindigkeit in den Arbeitsablauf von Yahoo bringen, um den Konzern am Leben zu erhalten und wieder in die Gewinnzone zu wuchten. Hierfür muss aber ein Umdenken einsetzen und das sei unabdingbar für den zukünftigen Erfolg.

Weg vom Schwarz-weiß-Denken

Büroarbeit gut, Heimarbeit schlecht – der Beitrag von Kristian Köhntopp zeigt, dass man auch bei diesem Thema nicht in ein simples schwarz-weiß-Denken verfallen darf, denn es ist vielmehr die Arbeitsweise, welche über Vor- und Nachteile des Home-Office entscheidet. Erschwerend kommt dann auch noch hinzu, dass nicht jeder für die Heimarbeit geeignet ist: viele lassen sich zu leicht ablenken oder vermissen die strikte Trennung von Arbeit und Freizeit. Das Für und Wider des Heimbüros wird uns daher noch lange beschäftigen, auch unabhängig von den Entscheidungen der CEOs.