Interview mit Marleen Thüringer von Capgemini

27. Februar 2013
Marleen Thüringer von Capgemini

Marleen Thüringer
von Capgemini

Marleen Thüringer ist Berufseinsteigerin bei Capgemini Deutschland, einem Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmen. Im Interview erzählt Sie über ihre Bachelorarbeit mit Cloud Computing, Frauen in der IT-Branche und Aufstiegschancen in der Firma.


Hallo Frau Thüringer, Sie sind Berufseinsteigerin bei Capgemini Deutschland, wie beschreiben Sie Ihren Job mit drei Sätzen? Was machen Sie dort?
Ich arbeite mit einem Acht-Mann-Team an der Erweiterung und Verbesserung einer Webanwendung zur Überwachung und Darstellung von qualitätsrelevanten Daten in der Automobilindustrie. Die meiste Zeit bin ich mit der Umsetzung neuer Anforderungen, also dem Programmieren, Deployen und dem Bugfixing beschäftigt. Gelegentlich fahren wir zu Meetings mit dem Kunden, um uns in persönlichen Gesprächen auszutauschen. Jeder Einzelne von uns hat direkten Kontakt zum Kunden und kennt seine Gesprächspartner persönlich. Meine Aufgaben sind daher durchaus vielfältig und sehr abwechslungsreich.

Stichwort „Mann“: Wer sich auf der Webseite umsieht, trifft fast nur auf männliche Mitarbeiter, wie passen Sie da rein?
Da passe ich ziemlich gut rein. Ich habe es nie als Nachteil empfunden, als Frau unter so vielen Männern zu arbeiten, im Gegenteil. Wir sind ein buntes Team aus lauter individuellen Köpfen und man spürt den „One-Team“ – Gedanken sehr, also die Idee von einem starken Teamzusammenhalt und einer engen Zusammenarbeit in einer freundlichen Arbeitsatmosphäre. Wir unterstützen uns gegenseitig, egal ob Mann oder Frau. Und ich bin ja auch nicht die Einzige – hier im Bereich Automotive gibt es durchaus Teamleiterinnen. In anderen Bereichen, wie bei den Kollegen für die Telekommunikationsbranche, steht eine Frau mehreren hundert Mitarbeitern vor. Es gibt also durchaus Kolleginnen und Vorbilder, auch wenn das nach Außen nicht immer sichtbar ist.

Scrum-Workshop in Frankfurt im Herbst 2012

Scrum-Workshop in Frankfurt im Herbst 2012

Sollten mehr Frauen in diesen Berufssparten arbeiten? Wie kann das gefördert werden?
Ja, ich denke, dass sich mehr Frauen trauen sollten, die technischen Studiengänge zu erkunden. Vielen geht es wahrscheinlich wie mir damals – sie trauen sich einfach nicht einem „Nerd“-Studiengang zuzugehören. Leider sind die reinen technischen Studiengänge noch sehr verpöhnt. Um den Abiturientinnen bei ihrer Entscheidung zu helfen, sollte man ihnen mehr Einblicke in unseren Arbeitsalltag geben, dann würden sie sehen, dass unser Beruf sehr abwechslungsreich und vielseitig ist. Wir sollten ihnen zeigen, dass wir nicht nur acht Stunden hinter dem Computer sitzen und kein Tageslicht sehen. Capgemini lädt zum Beispiel regelmäßig Schülerinnen zum Girls‘Day ein. Hier am Münchner Standort haben die Mädchen im letzten Jahr zum Spaß mal eine Website in HTML programmiert. In diesem Jahr ist unser CeBIT-Stand am Frauentag, den 8. März, nur mit Kolleginnen besetzt – wer Fragen hat, kann auch einfach mal am Stand E54 in Halle 9 vorbeikommen.

Wie kamen Sie in den technischen Bereich?
Ich habe mich schon als Kind für Technik interessiert und viel lieber mit Autos statt mit Puppen gespielt. Ich musste immer genau wissen „WIE funktioniert das?“. Daher war für mich klar, dass ich eher in die technische Richtung gehen werde. Trotzdem hätte ich mich nie getraut, ein „reines“ Informatikstudium zu starten. Ich hatte bis zum Abi nie viel mit Computern am Hut und Programmierung war für mich völlig neu. Letztendlich kam ich dann über einen Umweg zur IT: Ich habe Medizintechnik studiert und im Hauptstudium gemerkt, dass mir die Informatik eigentlich viel mehr Spaß macht.

Ihre Bachelorarbeit drehte sich um Cloud Computing, die meisten denken hier an Dropbox, Google Drive oder Microsofts SkyDrive. Was waren Ihre Ergebnisse?
Das Projekt war ein Firmennetzwek, ganz ähnlich wie Facebook oder das bei Capgemini verwendete Yammer. Meine Aufgabe war es, ein „Notification-Framework“ zu entwerfen und zu implementieren, das die Nutzer der Anwendung über Neuigkeiten wie Freundschaftsanfragen informiert. Es war sehr spannend, erste Einblicke in die Cloud-Entwicklung zu bekommen.
Wir arbeiteten in einem agilen Scrum-Team mit zweiwöchigen Sprintphasen. Das heißt wir hatten alle zwei Wochen einen auslieferbaren Stand. Das Ergebnis war wirklich gut und es freut mich, dass meine Entwicklungen heute tatsächlich im Einsatz sind.

Stichwort Datenschutz sowohl für Unternehmen als auch deren Angestellte – ist das mit den neuen Systemen machbar?
Sie meinen, mit Daten in der Cloud oder Bring-your-own-device? Ja, es gibt immer eine technische Lösung, eigentlich ist alles nur eine Frage des Budgets und der Zeit.

Apropos Zeit: gerade in Ihrer Sparte wird der Arbeitsplatz wesentlich häufiger gewechselt – wie lange wollen Sie bei dem Unternehmen bleiben?
Capgemini hat ja unterschiedliche Bereiche, hier in der Software-Entwicklung haben wir teilweise Kollegen, die seit 20 Jahren dabei sind. Ob ich so lang bleibe, weiß ich noch nicht, aber ich hab ja erst im Oktober angefangen, da denke ich jetzt noch nicht über einen Wechsel nach. Als Medizintechnikerin bin ich außerdem eine Quereinsteigerin, hier gibt’s erstmal noch viel für mich zu lernen.

Wie sieht es mit Ihren Aufstiegschancen bei Capgemini aus?
Es gibt zunächst drei Entwicklungsmöglichkeiten für mich: Entweder ich werde fachliche oder technische Chef-Designerin, dann werde ich vor allem Fachkonzeptionen entwickeln und mit dem Fachbereich beim Kunden sprechen. Oder ich gehe in die Projektleitung und koordiniere mit dem Kunden Budgetfragen, Kapazitäten und den Projektfortschritt. Ich kenne aber einige Kollegen, die zwischen diesen drei Rollen gewechselt haben, das ist erstmal auch mein Plan, so kann ich einiges ausprobieren und schauen, ob ich lieber direkt mit dem Kunden arbeite oder mich in die technischen Entwicklungen vertiefe. Fragen Sie mich danach nochmal!

Das werden wir machen – Frau Thüringer, vielen Dank für das Gespräch!