Unternehmen

Recruiting-Spezialist Prospective aus der Schweiz expandiert nach Berlin

13. Februar 2013

Es rührt sich wieder einiges in der HR-Welt: der Recruiting-Spezialist Prospective aus der Schweiz eröffnet eine Niederlassung in der Start-Up-Metropole Berlin 

So lässt es sich arbeiten: das neue Büro in Berlin
Foto: Nina Altmann

Seit dem 1. Januar 2013 firmiert die Prospective Media Services PMS GmbH am Lützowplatz 7 in der deutschen Hauptstadt auf dem Papier. Nun erfolgte die offizielle Eröffnung der neuen Niederlassung, um die Kunden in Deutschland besser zu erreichen.

Matthias Mäder, der Geschäftsführer von Prospective in der Schweiz, ist überzeugt, dass die Tools aus der Schweiz auch hierzulande eine breite Verwendungsmöglichkeit finden. Die entwickelte Software für eine einfache Stellenausschreibung über alle Kanäle hinweg verspricht einen effizienten Rekrutierungsprozess für Unternehmen. Weitere Infos zur Expansion auf prospective.ch/news

Foto-Nachbericht: HRMC 2012 in München

24. Oktober 2012

Fach- und Führungskräfte (verzweifelt) gesucht – die besten Lösungen für das Personalmarketing im Mittelstand. Das war das diesjährige Thema für den Human Resource Marketing Congress 2012, kurz HRMC 2012. karriereblog.net war dabei und bloggt die eigenen Eindrücke.

09:15: Ankunft. Ich kenne das Gebäude, doch ist es trotzdem immer wieder eindrucksvoll. Organisatorin Sabine Vockrodt wird später davon reden, dass so manche Geschäftspartner wohl nur wegen der hervorragenden Aussicht im 26. Stock und  des ausgezeichneten Betriebs-Restaurants (Kantine wäre in der Tat falsch formuliert) nach München zur Süddeutschen kommen. Die über 120 Gäste der Veranstaltung dürften spätestens nach dem Mittagessen und dem Get-Together ab 17:30 Uhr davon durchaus überzeugt sein.

09:35: Start. Fast pünktlich werden in weniger als 10 Minuten die organisatorischen Angelegenheiten abgehandelt. Wir lernen: Die Fahrstühle sind nicht ganz handelsüblich und erfordern etwas mehr Aufmerksamkeit, außerdem ist für Mittagessen und WLAN gesorgt. Letzteres ist wichtig, damit schnell und effizient mit dem Hashtag #hrmc12 getwittert werden kann.

09:43: WESTPRESS. W&V führt den HRMC zusammen mit WESTPRESS durch. Wie sich herausstellt, kein Fehlgriff: gute Organisation und eine genauso dicke wie hochwertige Begleitmappe sind bereits die ersten positiven Eindrücke, die sich aufdrängen.

10:00 Uhr: OTTO. Der erste Vortrag an diesem Dienstag ist von Sonja Königsberg, Leiterin beim Personalmarketing von OTTO. Sie berichtet von ihren Erfahrungen mit der Azubi-Kampagne im August 2012 und gibt konkrete Tipps für den Mittelstand für ihre aktive Suche nach künftigen
Arbeitnehmern. Am Ende ihrer Präsentation tauchen viele Fragen auf, die Sonja Königsberg dazu verlocken, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. So war der Radiospot das teuerste an der

Kampagne, sehr zur Überraschung der Besucher. Diese hätten auf da

s professionell gefilmte Video getippt, von dem ein 30 sekündiger Trailer gezeigt wurde,
da das eigentliche Video den Rahmen sprengen würde. Nochmal ein 5-Minuten Video würde sie für so eine Kampagne nicht machen, verriet sie auf Nachfrage.

In der Kürze liegt die Würze: der Aufmerksamkeitsspanne für Videos auf Youtube zuliebe sollten die 3 Minuten nicht überschreiten.

10:30 Uhr: Vortrag von Micaela Saeftel, Leiterin des Global Trainee Program bei ABB. Fachkräfte aus aller Welt in aller Welt einsetzen – diese kleine Aufgabe obliegt dieser Frau. Dass das mit vielen Hindernissen verbunden ist, erläutert sie in vielen kleinen und witzigen Anekdoten: oder wussten Sie, dass in Indien ein Meeting für 8 Uhr angesetzt wird, der erste um 9 und der letzte gegen 10 kommt? Darauf muss man sich einstellen, so die Referentin. Ein durchaus spannender Vortrag, doch wohl leider für die Mittelschicht nur zum Teil wirklich relevant. Unserer Meinung nach hätte dieser Vortrag in den gesplitteten Bereich gehört und dafür die Präsentation von Dorothee Pfeuffer über Hochschulmarketing hierhin gehört.

11:45 Uhr: Zwei Workshops zur selben Zeit: „Die richtigen Kanäle, der maximale Erfolg – so erstellen Sie den passenden Mediamix für Ihre Personalsuche“ und „Vom Campus ins Unternehmen – Hochschulmarketing und passende Kanäle.“
Hier mussten sich die über 100 Gäste aufsplitten, spannend waren mit Sicherheit beide. Wir lauschten Dorothee Pfeuffer von der Commerzbank AG. Viele interessante Aspekte wurden hier aufgegriffen: Studenten, die denken „die suchen nur die Besten, dazu gehöre ich nicht“. „Aber so kommen nicht die Besten, sondern die selbstbewusstesten Köpfe rein“, so die Leiterin des Personalmarketings der Bank.

Die meisten Bewerber seien alle schlau, aber dann trotzdem nervös bei der Bewerbung: die Commerzbank ist daher an 35 Hochschule präsent, bietet Bewerbertrainings an, aber auch Gastvorträge oder gar Sportveranstaltungen. Manager der ersten und zweiten Führungsebene sind hierfür Bindeglied zwischen Hochschule und dem Unternehmen.
Eine Frau aus dem Publikum berichtet von ihrer Erfahrung: mit großen Marken ist es leichter, in Hochschulen wirklich anzukommen – v.a. beim Dekan. Mittelständische Firmen haben es hier oft schwerer. Doch der Aufwand mit Kooperationen würde sich lohnen, so die einhellige Meinung.

13:00 Uhr: Pünktlich geht es in die Mittagspause und damit zum Schlemmen: viele sind angesichts der breiten Auswahl überfordert, aber letztendlich scheint sowieso alles zu schmecken. Ein sehr gutes Essen erfreut die Besucher, Hut ab!

14:00 Uhr: Monitoring und Social Media Kontrolle. Ira Reckenthäler präsentiert ihr Wissen über die Social-Media Arbeit. Nicht nur „Post & Pray“ (Wolfgang Brickwedde), sondern den eigenen Auftritt aktiv betreiben. Eindrücke von Mitarbeitern, Kritik erlauben. Social Media deckt eine falsche Fassade gnadenlos auf, so die Thesen. Eine reine Fokussierung auf die Anzahl der Likes und Follower macht nur in sehr wenigen Ausnahmen wirklich Sinn. Prioritäten genießen Zuhören und Reagieren, Social Media Seminare für Mitarbeiter mit definierten Richtlinien. „Identifikation erzeugt Integrität“
Viele Zahlen, viele Fakten, die hier präsentiert wurden. Erschlagen von der Mittagsmüdigkeit ging es dann ohne weiterer Fragen zum nächsten Programmpunkt. Zum Glück sind die präsentierten Thesen nochmal schriftlich in der Mappe.

 

14:45 Uhr: World Café. Diesmal vier Vorträge zur selben Zeit, die einen Diskussionsanstoß geben sollen. Die Ergebnisse wurden im Anschluss vor allen vorgetragen. So verpasste man (fast) nichts. Mobile Strategien im Recruiting war das Thema, das von Robindro Ullah vorgestellt wurde. Der Leiter des Personalmarketing bei der Deutschen Bahn stellte den Gästen zu Anfang ein kleines Rätsel, wer an welchen Tisch soll: ausgedruckte, aufeinandergestapelte Rechtecke sollten mit ein oder zwei Buchstaben verbunden werden, die am Tisch lagen. Klingt schwierig? Wer die Kampagne von Lego kannte, war sofort dabei, den anderen wurde dann natürlich geholfen. Quintessenz: QR-Codes, Augemented Reality und Co. – es gibt viele technische Möglichkeiten und auch der Mittelstand sollte die Augen offen halten, um nicht einen wichtigen Trend komplett zu verschnarchen.

16:30 Uhr: Endspurt. Wieder komplett versammelt, wurden die letzten Ergebnisse der vier World Cafés in jeweils fünf Minuten vorgestellt. Die Köpfe waren langsam aber sicher voll, die Besucher freuten sich auf den gemütlichen Ausklang in der 26. Etage.

17:30 Uhr: mit dem Fahrstuhl fast ganz nach oben. Hätte das Wetter mitgespielt, wäre ein Sonnenuntergang über München zu beobachten gewesen. Doch trotz Nebel bietet die über 90 Meter über den Erdboden gelegene Etage genug zum Staunen. Kleine Häppchen, Trinken, Gespräche: Netzwerken war angesagt und wurde in der stilvollen Atmosphäre mit Bier oder Wein genossen.

 

Die moderne Arbeitswelt und ihre Grenzen – MEINUNG

13. September 2012

MEINUNG Ausbildung, Karriere machen, wohlverdiente Rente – und das alles in derselben Firma. Von diesem Bild hat sich die Generation Praktikum längst verabschiedet, sollte sie es überhaupt je besessen haben. Flexibel und dynamisch muss das Berufsleben sein, selbst wenn es der Arbeitnehmer gar nicht möchte.

Wenn mein Großvater erzählt, wie er damals zu seiner Ausbildungsstelle und später in das Berufsleben kam, könnte ich fast ein wenig neidisch sein, „auf die gute alte Zeit“. Er kam, sah – und bekam den Job. Heute höre ich im Bekanntenkreis von der x-ten Absage trotz guter Noten und bescheidenen Gehaltsvorstellungen.

Alt und neu: die Vorstellung
der Arbeitswelt // Symbolbild

Auch die Führung durch eine große und bekannte Privatbrauerei ließ mich vor geraumer Zeit staunen: eine lange Wand nur voll mit Auszeichnungen: hier werden Mitarbeiter geehrt, die 25, 30, teils sogar 50 Jahre Betriebszugehörigkeit vorweisen. 50 Jahre. In demselben Betrieb. Wow.

Meine Spurensuche
Doch was hat sich so stark verändert, dass es heute ganz normal ist, mehr als nur ein-, zweimal im Berufsleben den Arbeitgeber zu wechseln? Von den persönlichen Motiven der einzelnen Menschen, sich selbst zu verwirklichen und ändern, einmal abgesehen, mache ich auch die Unternehmen selbst verantwortlich: von Beratungsfirmen auf Effizienz geschult, ist der Arbeitnehmer heute mehr Leistungserbringer als Mensch, die Arbeitskraft nur noch eine Nummer und keine Persönlichkeit. Weiter kommt, wer das System versteht, welches auf Zahlen statt Kompetenz setzt.

Zugegeben, wie lässt sich messen, ob ein Mitarbeiter wirklich kompetent, engagiert und ein Gewinn für die Firma ist? Im Vertrieb anhand von Absatzzahlen? In der Buchhaltung dank geringster Fehlerquote? Wir sind fokussiert auf valide Zahlen, Statistiken und Ergebnisse. Wir vergessen aber das Wichtigste: unser Bauchgefühl.

Soziale Marktwirtschaft nicht sozial genug?
Das beste Beispiel dieser Tage ist eine große Fluglinie: das Unternehmen spart in den kommenden Jahren weiter Personalkosten ein, um den Gewinn weiter zu steigern. Nicht, dass das Unternehmen in der Verlustzone wäre und versuchen muss, hier wieder raus zu kommen. Es geht darum, den Erwartungen von Analysten und Anlegern zu entsprechen. Doch wie erklärt man einem denkenden Menschen, dass Mitarbeiter A weniger verdienen soll als Mitarbeiter B, trotz gleichen Alters, gleichlanger Betriebszugehörigkeit und gleicher Arbeit? Das geht nicht. Und doch ist genau das Realität: Lohndumping durch Outsourcing.

Ein Unternehmen will für die gleiche Arbeit weniger zahlen und lagert die Tätigkeit über eine Leiharbeitsfirma aus, welche dafür wiederrum bezahlt wird. Also Kostensenkung für das Unternehmen und Gewinn für die Leiharbeitsfirma – diese Rechnung kann nur dann aufgehen, wenn wo anders eingespart wird: bei denen, die die Arbeit letztlich verrichten. Das ist pervers.

Weniger und Mehr: flexible Arbeitswelt // Symbolbild

Keine Frage: wirtschaftlich ist es durchaus notwendig und sinnvoll, auf Leiharbeit, kurzfristige Anstellungen mit Ein-Jahres-Verträgen und Co. zurückzugreifen, dafür wurden diese Mittel ja auch ins Leben gerufen. Doch der exzessive Gebrauch dieser Hilfsmittel in den letzten – und leider auch kommenden Jahren – bereitet mir Kopfzerbrechen. Denen, die davon richtig betroffen sind, noch weitaus mehr: Burnout, Stress, und Depressionen werden heute mehr denn je durch Sparwahn, Ungewissheit wegen zeitlich beschränkten Arbeitsverträgen und Stress, gesteckte Ziele unbedingt zu erfüllen, gefördert.

Hoffnung
Wird die jetzige Generation Praktikum, wenn es in zwei, drei Jahrzehnten so weit ist, auch nach den heutigen Maximen handeln? Gewinn- und Umsatzzahlen als einziger Indikator für ein gesundes Unternehmen? Ich hoffe nicht. Ich hoffe, wir sehen und erleben jetzt, wie es nicht gemacht werden sollte, um es später selber besser zu machen. Ich hoffe, Unternehmen schreiben sich eine langfristig angelegte Firmenpolitik auf die Fahne, welche die Zufriedenheit und Loyalität der Mitarbeiter fördert und sie wieder als das wahrnehmen, was sie eigentlich sind: das wirkliche Kapital des Unternehmens.
Natürlich gibt es bereits heute solche Firmen, doch die Anzahl finde ich definitiv zu überschaubar.