Meinung

Karriere Blog Dienst-Tags KW9

26. Februar 2013

Jeden Dienstag „Dienst-Tags“: lesenswerte Artikel kombiniert mit unserer Verschlagwortung (Tags, Labels, Stichwörter) von Nachrichtenseiten, Blogs und Unternehmen in einer wöchentlichen Link-Schau.

Sie kennen oder haben so einen Artikel? Schicken Sie ihn uns!

#Fotos
Alles Verhandlungssache: Wenn die Fotomodelle der typischen Karrierefotos als eigene Mitarbeiter ausgegeben werden, fühlt sich der Kunde zu Recht verschaukelt.

#Bewerbung, #Personaler
W&V: Heineken stellt sein Bewerbungsgespräch ein wenig um: Für die Anwärter heißt das Stresstest statt Krawatte richten

#Social Media, #Meinung
Süddeutsche.de: Hilmar Kuthe schreibt über die Gratwanderung von ständiger Erreichbarkeit und den immer öfter vernachlässigtem Wunsch nach Ruhe und Alleinsein, um die eigenen Gedanken zu ordnen.

#Unternehmen
karrierebibel: Ein teamfähiger Chef gewinnt? Leider nicht, sagt karrierebibel und beruft sich auf eine Studie von drei Professoren aus Chicago.

Effektiv und effizient

15. Januar 2013

„Ich arbeite effektiv!“ Was für viele gut klingt, ist eigentlich nur Mittelmaß. Ein kurzer Ausflug in beliebte Versprecher und falsch verwendeter Wörter.

„Ich würde immer einen faulen Menschen wählen, um einen schwierigen Job zu erledigen. Denn er würde sicherlich einen einfachen Weg finden, dies zu tun.“ Dieses Zitat wird Bill Gates zugesprochen, doch selbst wenn er es nicht selbst von sich gab, bleibt die Kernaussauge dieselbe. Effizient ist besser als effektiv – und nichts anderes wird mit diesen zwei Sätzen eigentlich gesagt.

Veranschaulichen wir die beiden Arbeitsarten (wenn man so sagen will) an einem einfachen Beispiel:
Aufgabe: graben Sie ein Loch im Garten, sodass ein kleines Planschbecken reinpasst.
Effektiv ist es, sich einen Bagger zu mieten und den halben Garten umzupflügen.
Effizient ist es, mit dem Spaten und einer Schaufel ein genau so großes Loch zu graben, das das Planschbecken genau reinpasst.
Für den Job gilt letztendlich nichts anderes: erledigen Sie Ihre Aufgaben effizient (mit so wenig Aufwand wie möglich und so viel Zeit wie nötig) und nicht effektiv (im schlechtesten Fall ein Haufen unbezahlter Überstunden). Ist natürlich einfach zu sagen, jedoch schwer umzusetzen. Aber sprachlich wissen Sie jetzt zumindest schon einmal für das nächste Bewerbungsgespräch oder Briefing Bescheid.

Das ist umsonst

Gerne wird behauptet, dass es ein Produkt oder eine Dienstleistung umsonst gibt. Was im bayrischen Sprachraum vielleicht gerade noch so durchgeht, ist zumindest für den Rest Deutschlands in meinen Augen einfach ein Unding. „Hier parken sie eine Stunde umsonst!“ Wenn dem wirklich so wäre, könnte ich mir das Parken doch gleich sparen.

Kostenlos ist nicht gleich umsonst und andersrum.

In einer lokalen Zeitung beschrieb ein Redakteur ein angehendes Festival in der Stadt, mit allen Vorzügen: Live-Musik, schönes Wetter, Sitzmöglichkeiten und und und. Leider schloss er den Absatz mit den Worten: „Und das Beste daran: es ist alles umsonst!“ Bezogen war das natürlich auf die Tatsache, dass für die Veranstaltung kein Eintritt verlangt wird. Mir drang sich jedoch der Gedanke auf, die Musik sei schlecht und es lohnt sich einfach nicht, dorthin zu fahren (und ja, ich wusste, das war anders gemeint). Es gilt einfach zu unterscheiden, ob ich etwas umsonst oder gratis mache, ob meine Arbeit für die Katz ist oder ich sie unentgeltlich erledige. So viel Deutschkenntnis darf in der Arbeitswelt erwartet werden, oder sehe ich das einfach zu eng?

Und der Schluss ist billig

Die Liste ließe sich noch fortsetzen, einen habe ich aber noch für heute: Preiswert ist nicht billig, wenngleich so mancher Discounter das gerne anders sieht. Billig kann im Kontext natürlich für günstig stehen, ein „Geschmäckle“ bleibt aber bei dem Wort. Billig ist minderwertig. Alles andere ist preiswert, günstig oder angemessen bezahlbar. Deswegen sollte im Job nie auf eine billige Alternative gesetzt werden.

Die moderne Arbeitswelt und ihre Grenzen – MEINUNG

13. September 2012

MEINUNG Ausbildung, Karriere machen, wohlverdiente Rente – und das alles in derselben Firma. Von diesem Bild hat sich die Generation Praktikum längst verabschiedet, sollte sie es überhaupt je besessen haben. Flexibel und dynamisch muss das Berufsleben sein, selbst wenn es der Arbeitnehmer gar nicht möchte.

Wenn mein Großvater erzählt, wie er damals zu seiner Ausbildungsstelle und später in das Berufsleben kam, könnte ich fast ein wenig neidisch sein, „auf die gute alte Zeit“. Er kam, sah – und bekam den Job. Heute höre ich im Bekanntenkreis von der x-ten Absage trotz guter Noten und bescheidenen Gehaltsvorstellungen.

Alt und neu: die Vorstellung
der Arbeitswelt // Symbolbild

Auch die Führung durch eine große und bekannte Privatbrauerei ließ mich vor geraumer Zeit staunen: eine lange Wand nur voll mit Auszeichnungen: hier werden Mitarbeiter geehrt, die 25, 30, teils sogar 50 Jahre Betriebszugehörigkeit vorweisen. 50 Jahre. In demselben Betrieb. Wow.

Meine Spurensuche
Doch was hat sich so stark verändert, dass es heute ganz normal ist, mehr als nur ein-, zweimal im Berufsleben den Arbeitgeber zu wechseln? Von den persönlichen Motiven der einzelnen Menschen, sich selbst zu verwirklichen und ändern, einmal abgesehen, mache ich auch die Unternehmen selbst verantwortlich: von Beratungsfirmen auf Effizienz geschult, ist der Arbeitnehmer heute mehr Leistungserbringer als Mensch, die Arbeitskraft nur noch eine Nummer und keine Persönlichkeit. Weiter kommt, wer das System versteht, welches auf Zahlen statt Kompetenz setzt.

Zugegeben, wie lässt sich messen, ob ein Mitarbeiter wirklich kompetent, engagiert und ein Gewinn für die Firma ist? Im Vertrieb anhand von Absatzzahlen? In der Buchhaltung dank geringster Fehlerquote? Wir sind fokussiert auf valide Zahlen, Statistiken und Ergebnisse. Wir vergessen aber das Wichtigste: unser Bauchgefühl.

Soziale Marktwirtschaft nicht sozial genug?
Das beste Beispiel dieser Tage ist eine große Fluglinie: das Unternehmen spart in den kommenden Jahren weiter Personalkosten ein, um den Gewinn weiter zu steigern. Nicht, dass das Unternehmen in der Verlustzone wäre und versuchen muss, hier wieder raus zu kommen. Es geht darum, den Erwartungen von Analysten und Anlegern zu entsprechen. Doch wie erklärt man einem denkenden Menschen, dass Mitarbeiter A weniger verdienen soll als Mitarbeiter B, trotz gleichen Alters, gleichlanger Betriebszugehörigkeit und gleicher Arbeit? Das geht nicht. Und doch ist genau das Realität: Lohndumping durch Outsourcing.

Ein Unternehmen will für die gleiche Arbeit weniger zahlen und lagert die Tätigkeit über eine Leiharbeitsfirma aus, welche dafür wiederrum bezahlt wird. Also Kostensenkung für das Unternehmen und Gewinn für die Leiharbeitsfirma – diese Rechnung kann nur dann aufgehen, wenn wo anders eingespart wird: bei denen, die die Arbeit letztlich verrichten. Das ist pervers.

Weniger und Mehr: flexible Arbeitswelt // Symbolbild

Keine Frage: wirtschaftlich ist es durchaus notwendig und sinnvoll, auf Leiharbeit, kurzfristige Anstellungen mit Ein-Jahres-Verträgen und Co. zurückzugreifen, dafür wurden diese Mittel ja auch ins Leben gerufen. Doch der exzessive Gebrauch dieser Hilfsmittel in den letzten – und leider auch kommenden Jahren – bereitet mir Kopfzerbrechen. Denen, die davon richtig betroffen sind, noch weitaus mehr: Burnout, Stress, und Depressionen werden heute mehr denn je durch Sparwahn, Ungewissheit wegen zeitlich beschränkten Arbeitsverträgen und Stress, gesteckte Ziele unbedingt zu erfüllen, gefördert.

Hoffnung
Wird die jetzige Generation Praktikum, wenn es in zwei, drei Jahrzehnten so weit ist, auch nach den heutigen Maximen handeln? Gewinn- und Umsatzzahlen als einziger Indikator für ein gesundes Unternehmen? Ich hoffe nicht. Ich hoffe, wir sehen und erleben jetzt, wie es nicht gemacht werden sollte, um es später selber besser zu machen. Ich hoffe, Unternehmen schreiben sich eine langfristig angelegte Firmenpolitik auf die Fahne, welche die Zufriedenheit und Loyalität der Mitarbeiter fördert und sie wieder als das wahrnehmen, was sie eigentlich sind: das wirkliche Kapital des Unternehmens.
Natürlich gibt es bereits heute solche Firmen, doch die Anzahl finde ich definitiv zu überschaubar.