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Zehn Staaten der EU gegen Redings Form der Quote

28. September 2012


Viviane Reding, Justizkommissarin der Europäischen Union, hat ihre Pläne für die Frauenquote in Unternehmen vorgelegt. Obwohl oder gerade weil ihre Pläne schon lange angekündigt waren, haben zehn Staaten der EU das Vorhaben in dieser Form abgelehnt.

Frauenquote

Werner Heiber, Fotolia.com

Nach Redings Plänen zur Besetzung von Führungspositionen in Unternehmen sollten 40 Prozent der Aufsichtsratsposten von börsennotierten Unternehmen mit Frauen besetzt werden. Von einer Quote ausgenommen sind Betriebe, die weniger als 250 Mitarbeiter beschäftigen, und Familienunternehmen.

Die Pläne sollten dem Ministerrat vorgelegt werden. Aber bereits jetzt stellt sich heraus, dass zehn Staaten das Vorhaben der Kommissarin in der gegenwärtigen Ausgestaltung ablehnen. Großbritannien, die Niederlande, Schweden, Dänemark, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Litauen, Malta und Slowenien stimmten mit Nein. Im Rat haben sie 104 Stimmen, 91 Prozent hätten für einen Stopp des Entwurfs ausgereicht. Bis zum Ende der Woche werden die Gegner der Kommission einen Brief senden, um damit die Verhandlungen über Quote in der von Reding vorgeschlagenen Form möglichst sofort aufzuhalten.

Nur ein halbherziger Versuch?

Allerdings hegt Viviane Reding selbst kein Vertrauen in Quotenregelungen, wenngleich sie sagt, dass sie deren Ergebnisse befürwortet. Die Vermutung liegt nahe, dass hier nur Scheingefechte ausgetragen werden.

Die Ablehnung der zehn Staaten ist aber nicht als eine generelle Ablehnung der Gleichberechtigung zu verstehen. Außerdem hat jeder der zehn Staaten andere Gründe für für ihre Verweigerung der Zustimmung. In Großbritannien soll die Freiwilligkeit Vorrang haben. Auch in anderen Ländern soll die Qualifikation der Bewerber um eine Stelle das alleinige Kriterium für die Einstellung sein. Der Staat sollte sich in die Personalpolitik der Unternehmen nicht einmischen.

Weiter für die Quote sensibilisiert

In den Niederlanden und Dänemark sind bereits Regelungen vorhanden. Firmen werden verpflichtet, die Geschlechter ausreichend zu repräsentieren. In Schweden wartet man noch ab. Bis 2014 soll beobachtet werden, ob Freiwilligkeit ausreicht. Fehlt die nötige Resonanz, soll mit einem Gesetz Abhilfe geschaffen werden.

Der Justizkommissarin kann aber wohlwollend unterstellt werden, dass sie die Ablehnung durchaus erahnt hat. Wie auch Ursula von der Leyen, die für eine feste Quote eintritt, könnte sie die harsche Reaktion nur provoziert haben, um damit klar zu machen, dass die EU in Sachen Gleichstellung durchaus weiter aktiv ist.

Argumente für die Frauenquote

 

  • Frauen machen die Hälfte der Bevölkerung aus. Sie sind so gut ausgebildet wie ihre männlichen Konkurrenten.
  • Wenn die Führungsspitze eines Unternehmens aus Männern und Frauen besteht, verbessern sich die Ergebnisse.
  • Frauen treffen den größten Teil der Kaufentscheidungen.
  • Das Betriebsklima verbessert sich bei einer Frauenquote, Karriereverhalten und Kommunikation ändern sich.
  • Frauen werden von Männern bei Förderungen nicht berücksichtigt. Das System reproduziert sich selbst.
  • Frauen stellen ihre Stärken nicht heraus. Ursache: ihre spezifische Sozialisation
  • In Männernetzwerken finden die entscheidenden Kontakte für die Förderung der Karriere statt. Frauen haben hier keinen Zugang.

Argumente gegen die Frauenquote

 

  • Männer werden durch die Quote diskriminiert.
  • Eine Quote per Gesetz schränkt die Freiheit des Unternehmens ein.
  • Das Geschlecht kann kein Kriterium für die Stellenbesetzung sein. Entscheidend sind allein Qualifikation und Leistung.
  • Wird eine Frau aufgrund der Quote eingestellt, ist sie als Quotenfrau stigmatisiert..
  • In bestimmten Branchen und Unternehmen sind nicht genügend qualifizierte Frauen beschäftigt, um die Quote einzuhalten.
  • Mädchen und auch junge Frauen bevorzugen noch immer traditionelle Frauenberufe, damit sind sie für eine Führungsposition weniger qualifiziert.
  • Oft wollen Frauen gar nicht aufsteigen, sondern orientieren sich ausschließlich auf ihre Rolle in der Familie.