Karriere in der PR

26. Juli 2012

Interview mit Richardis Zieglmeier, Director bei der PR-Agentur Maisberger aus München

Zahlreiche große Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen arbeiten für ihre Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit PR-Agenturen zusammen. Denn diese sind Profis auf ihrem Gebiet: Mit strategischer Pressearbeit erreichen sie die richtigen Zielgruppen und können so die Bekanntheit und das Image eines Unternehmens stärken. Doch wie sieht der Berufsalltag in einer solchen Agentur aus? Welche Karrieremöglichkeiten haben junge Absolventen und welche Voraussetzungen sollten Bewerber mitbringen?

Richardis Zieglmeier, Director bei der PR-Agentur Maisberger

Richardis Zieglmeier von Maisberger

Richardis Zieglmeier weiß Antwort auf diese Fragen. Sie ist seit 12 Jahren als PR-Beraterin bei Maisberger – strategische Gesellschaft für Kommunikation mbH tätig, kennt die Kommunikationsbranche wie aus dem FF und weiß, was einen guten PR Berater ausmacht.

Arbeiten in der Kommunikationsagentur – was können wir uns darunter vorstellen?
Stress, Überlastung und einen 20 Stundentag (lacht). Nein – keine Sorge! Sicherlich gibt es Zeiten (z.B. kurz vor einer Messe), die einem Berater etwas mehr abverlangen, aber im Regelfall sind unsere Arbeitszeiten normal und die Arbeit macht Spaß. Das Schöne ist: meist ist kein Tag wie der andere. Zum Aufgabenspektrum eines PR-Beraters gehören operative und strategische Tätigkeiten. Dazu zählen u.a. das Schreiben von Pressemitteilungen und Artikeln, der direkte Kontakt zu Journalisten, die Organisation und Betreuung von Presseevents, die Entwicklung von Social-Media-Konzepten und deren Umsetzung oder die Erstellung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Darüber hinaus sind Kundenkontakt, gemeinsame Mittagspausen mit Kollegen und Meetings wesentlicher Bestandteil der Arbeit. 

Wer in die Kommunikationsbranche einsteigen möchte, kann das über eine Agentur oder aber auch direkt über ein Unternehmen tun. Agentur vs. Unternehmen – wo sollte man starten?
Das ist eine gute Frage. Kurz zur Erklärung vorne weg: viele, vor allem aber natürlich mittelgroße und große Unternehmen haben eigene Presseabteilungen. Da die Verantwortlichen häufig ein begrenztes Zeitbudget haben und mit den Veränderungen am Kommunikationsmarkt kaum zusätzlich Schritt halten können, holen sie Agenturen wie uns an Bord. Wir beraten und unterstützen dann die Presseverantwortlichen bzw. das jeweilige Unternehmen bei der Öffentlichkeitsarbeit.

Wer in einer Agentur anfängt, hat meiner Meinung nach viele Vorteile. Zum einen arbeitet man für unterschiedliche Kunden, teilweise aus verschiedenen Branchen und mit anderen Anforderungen und Bedürfnissen. Neulinge können so innerhalb kürzester Zeit sehr viel lernen, da die Aufgabenvielfalt hoch und die Abwechslung groß ist. Zum anderen hat man im Regelfall eine Reihe an erfahrenen Beratern um sich, ist damit nicht auf sich allein gestellt und kann sich sowohl in Bezug auf Strategie als auch Tagesgeschäft viel abschauen. Das können Unternehmen in dieser Form nicht bieten, da die Kommunikationsabteilungen meist eher klein sind. Viele PR-Berater wechseln nach einigen Jahren in einer Agentur auf Unternehmensseite. Sie werden häufig mit Kusshand eingestellt, da sie gut ausgebildet, vielseitig und belastbar sind. Auch das spricht dafür, seine Karriere in einer Agentur zu starten.

Welche Voraussetzungen sollten Bewerber mitbringen?
Wichtig sind ein abgeschlossenes Studium – fast egal welche Studienrichtung – sowie Kommunikationstalent, Offenheit, Empathie, Verantwortungsbewusstsein und Kreativität. Allgemeinwissen schadet natürlich auch nicht. Darüber hinaus ist es unerlässlich, dass Bewerber ein gesundes Gefühl für Sprache und Text mitbringen und sich im Englischen gut ausdrücken können. Wer bereits während des Studiums bei sich Interesse an der PR, Kommunikation oder Social Media entdeckt, dem empfehle ich ein Praktikum in einer Agentur. Das gibt den Studenten einfach den besten Einblick in das Arbeitsfeld und schafft eine super Referenz. 

Wie würden Sie die Karrieremöglichkeiten beschreiben?
Wer als Neuling in die PR-Branche einsteigt, tut das meist über ein Traineeship. Durch klassisches „Learning by doing“ lässt sich das Handwerkszeug der PR am schnellsten verinnerlichen. Traineeships dauern in der Regel zwischen 12 und 18 Monate und beinhalten bestenfalls neben der täglichen Arbeit auch Weiterbildungen.
Wir haben seit einigen Jahren z.B. ein regelmäßiges Traineefrühstück etabliert, bei dem erfahrene Berater bei Kaffee und Brezen ihr Wissen an die Trainees weiter geben. Junge Berater mausern sich in der Zeit ihres Traineeships häufig zu einem unverzichtbaren Teil im Team und werden längerfristig angestellt – vorausgesetzt sie möchten das. Obwohl die Modalitäten von Agentur zu Agentur unterschiedlich sind, würde ich sagen, dass ein Studienabgänger innerhalb von drei bis vier Jahren zu einem Senior PR-Berater (meist mit Mitarbeiterverantwortung) aufsteigen kann. Diese Zeit ist notwendig, um sich zu einem Experten zu entwickeln, der von allen Seiten – also von Kunden, Journalisten und auch intern – ebenso wahrgenommen wird.

Sehen Sie die PR als Branche der Zukunft? 
Auf jeden Fall. Für diejenigen, die gern in der Kommunikationsbranche arbeiten möchten lohnt es sich, diesen Berufsweg einzuschlagen. Öffentlichkeitsarbeit wird für Unternehmen wichtig bleiben und in Zukunft weiter an Bedeutung zunehmen. Kommunikation ist zwar etwas Alltägliches, aber es wird immer Berater brauchen, die mit einem gesunden Abstand, Wissen um neue Trends und der notwendigen Erfahrung Unternehmen beratend und unterstützend zur Seite stehen.

Frau Zieglmeier, wir danken Ihnen für das Interview!

Lesenswertes zu der Arbeit bei einer PR-Agentur finden Sie in dem Trainee-Blog von Maisberger, Reinklicken lohnt sich!

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