Interview mit Ulrich Börst

5. Juni 2012

Jobsuche: Warum diese nicht immer so einfach ist…

Die Themen Personalauswahl und Stellensuche sind Ulrich Börst schon seit vielen Jahren aus unterschiedlichsten Blickwinkeln geläufig. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Ruhr-Universität-Bochum war er 16 Jahre lang in der IT-Branche in Vertrieb und Marketing unterwegs. Als Sales Manager hat er dabei Headhunter und deren Arbeitsweisen kennengelernt.
1994 hat Ulricht Börst dann die Seite gewechselt und sich einen großen persönlichen Wunsch erfüllt: Er hat sich nach vielen Jahren als Angestellter endlich selbstständig und damit unanbhängig gemacht.
Jetzt ist er nahezu 18 Jahre als Personalberater aktiv. Diesen Job betreibt er in zwei Richtungen: Für Unternehmen als Auftraggeber beseitigt er Engpässe im Personal Recruitment. Sein Motto: Die Mitarbeiter finden, die passen. Bewerbern hilft er sozusagen mit dem Gegenstück: Die Unternehmen finden, die passen!

Hier liegt die Basis dafür, dass Ulrich Börst eine Menge Menschen kennengelernt hat, die mit ihrem aktuellen Job unzufrieden sind. Dabei ist der wirkliche Grund dafür absolut banal: Die meisten Menschen landen nämlich im falschen Job, weil sie nur die althergebrachten Trampelpfade mit Opas Bewerbungsmethoden beschreiten! Und deshalb unterstützt er als Jobsucher-Coach mit einer alternativen Bewerbungsstrategie (“10 Schritte Guide zum Traumjob”) seit etlichen Jahren Bewerber bei ihrer Suche nach ihren Traumjobs.

Was ist ein Traumjob?
Traumjob – das klingt für viele auf den ersten Blick wie überzogenes Wunschdenken, nicht erreichbar, Fiktion aus einem Film, halt Spinnerei. Aber ist das wirklich so? Meine Jobsuchercoach-Praxis belegt ganz das Gegenteil. Der Einzelne weiß nämlich häufig sehr wohl, unter welchen Voraussetzungen ein Job für ihn perfekt ist. Dazu sind zwar individuelle Komponenten oder Rahmenbedingungen notwendig. Aber wer sich dieses Szenario eröffnet, der ist in seinem Job glücklich, der hat seinen Traumjob gefunden.

Viele Menschen kommen auf Sie als Job-Sucher-Coach zu. Was sind die häufigsten Gründe für diese Art der professionellen Unterstützung?
Über die Jahre haben sich zwei Anforderungsschwerpunkte herausgebildet:

Jobsucher mit Frusterlebnissen bei ihren bisherigen Bewerbungsaktivitäten. Der „Kopf“ glaubt, dass lediglich der Bewerbungsprozess in seinen Elementen optimiert werden muss. Gleichzeitig signalisiert aber der „Bauch“, dass irgendetwas grundsätzlich falsch läuft.

Erfolgreiche Fach- und Führungskräfte mit dem Gefühl, in einer beruflichen oder persönlichen Sackgasse zu stecken – frei nach dem Motto: „Das kann doch wohl nicht alles gewesen sein!?“

Auf www.jobsuchercoach.de versuchen Sie einen kleinen Einblick in die Welt des Jobsucher-Coaches zu präsentieren. Über welche Themen möchten Sie besonders informieren?
Der Arbeitsmarkt verändert sich rapide durch neue inhaltliche und rechtliche Formen für den Austausch von Arbeitsleistung und Beschäftigungsverhältnis. Neue Ansprüche speziell bei  hochqualifizierten Fach- und Führungskräften verbinden sich zusätzlich mit den ganz individuellen beruflichen und persönlichen Zielsetzungen. Speziell für diese Jobsucher kann die „klassische Bewerbungsmappe“ ihre Ziele nicht mehr erfüllen.

Eindeutige Blogschwerpunkte sind deshalb die Kategorien Selbstmarketing und Selbstvermarktung. Die Beiträge innerhalb dieser beiden Bereiche bieten konkrete Ansatzpunkte aus unserer Coaching-Praxis für Blog-Leser und deren Bewerbungsstrategie.

Sie schreiben auf Ihrem Blog, dass Bewerber oder Jobsuchende sich auf ausgelatschten Trampelpfaden auf Jobsuche bewegen. Wie meinen Sie das?
Das Internet ist voll von vermeintlichen Bewerbungsexperten und ihren Ratschlägen. Stationäre Buchhandlungen prunken zusätzlich mit beeindruckenden Regalmetern von sogenannter Bewerbungs-Fachliteratur. Der klassische Bewerbungsweg wird immer wieder beschritten, weil man es angeblich laut „Expertenmeinung“ halt so machen muss. Das sei unumgänglich und deshalb müsse man die Bewerbung als solche optimal gestalten. Wenn man aber nur den Weg nutzt, den alle andern auch gehen, dann bewegt man sich „herdenmäßig“ und unnötigerweise auf einem Trampelpfad.

Dabei werden fast immer diese grundlegenden Probleme übersehen:

  1. Eine typische Bewerbung adressiert eine ausgeschriebene Stelle. Damit ist der Bewerber in der ungünstigen Rolle eines Nachfragers, der passiv zu den Auswahl-Bedingungen des suchenden Unternehmens antritt.
  2.  Zusätzlich hat der Bewerber noch jede Menge Wettbewerb, den er weder der Zahl nach kennt, oder auf dessen Qualitäten oder Mängel er sich einstellen kann.
  3. Öffentliche Stellenausschreibungen werden erst dann gemacht, wenn die offene Stelle nicht anders besetzt werden kann. Seriöse Studien wie zum Beispiel vom IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) weisen nach, dass über den verdeckten Arbeitsmarkt fast die Hälfte aller Besetzungen erfolgt. Dieses Potenzial lassen Bewerber völlig außer acht.
  4. Fazit: Eine klassische Bewerbung ist nichts anderes als die Teilnahme an einer Lotterie.

Die alternative Bewerbungs-Strategie: Man eröffnet sich aktiv individuelle Bewerbungs-Wege und kann deshalb aufhören, klassische Bewerbungen zu produzieren. Der Bewerber wandelt sich dazu vom Nachfrager auf ausgeschriebene Stellen. Er wird stattdessen zum gesuchten Anbieter einer Problem-Lösung seines Wunsch-Arbeitgebers.

Fazit: Man kann sich zwar bewerben. Stattdessen kann man sich auch seinen Traumjob anbieten lassen!

Wie kann man am besten mit evtl. Ablehnungen oder auch der Frustration im Bewerbungsprozess umgehen?
Sie haben recht, dass Negativerlebnisse im Bewerbungsprozess verarbeitet werden wollen. Wer realistisch ist weiß jedoch, dass nicht jeder Torschuss zum Treffer führt. Für einen erfolgreichen Abschluss bieten sich zwei Wege an. Zum einen erhöht man einfach die Zahl der Chancen. Zum anderen kann man die Trefferwahrscheinlichkeit des einzelnen Schusses erhöhen.

Wir bevorzugen mit unserem „10 Schritte Guide zum Traumjob“ den Weg der qualitativen Chancenerhöhung. Das erfordert zwar die professionellere Vorbereitung, vermindert aber die Frustereignisse für den Bewerber deutlich.

Haben Sie ein Tipp für unsere Leser in Bezug auf Ihren Traumjob?
Mein Tipp für Ihre Leser – Folgen Sie Nobelpreisträger William H. Stein: “Um zu bekommen, was Sie vom Leben träumen, gibt es einen unerlässlichen ersten Schritt: finde heraus, was sie eigentlich wollen.”

Wenn Ihre Leser dazu konkrete Einstiegshilfe suchen, finden sie hier 10 Schlüsselfragen für den Traumjob.

 

Mehr zu: Interview