Interview mit Torsten Montag

12. April 2012

Gehirnwäsche Arbeitsamt: Was man sich alles gefallen lassen muss. 
Torsten Montag steht vielleicht für eine der vielen Erfolgsgeschichten im World Wide Web. 2004 fiel der Startschuss mit einem Informationsportal zur Betriebswirtschaftslehre. Über die Jahre entstanden zahlreiche neue Projekte. Mittlerweile betreibt Torsten Montag eine der größten Existenzgründer-Plattformen. Unter anderem sind es aber auch zahlreiche Lexikas, Blogs, Magazine, Foren und Ratgeber mit denen mehrere tausende Besucher täglich erreicht werden.

Und nun?
Nun hat er sein erstes Buch geschrieben – Gehirnwäsche Arbeitsamt
Das Buch handelt von 77 Schikanen der Arbeitsagentur auf Basis seines Blogs www.arbeitslosengeld-2.de. Alle Geschichten des Blogs sind von echten Menschen geschrieben, die nicht immer ganz menschlich behandelt worden sind.

Wie kamen Sie auf die Idee von arbeitslosengeld-2.de?

Die Idee kam mir zufällig, nachdem ich den Blog 2009 ins Netz stellte. Damals noch mit informativen Artikeln, Urteilen, Humor und anderen Inhalten rund um das Thema Arbeitslosigkeit. Irgendwann kristallisierte sich heraus, dass die Leute sich anmelden und ihre eigenen Geschichten veröffentlichen wollten. Daraufhin habe ich die Zielrichtung und die Inhalte des Internetportals dahingehend abgeändert.

Inwiefern fließt Ihr Portal in das Buch ein?

Das Portal liefert ausschließlich die Geschichten und Schikanen der Arbeitslosen für das Buch. Ich wollte mit dem Buch eben auch diejenigen erreichen, die nicht unbedingt mit dem Internet zurecht kommen oder sich nicht mit diesem Medium beschäftigen möchten.

Was hat es mit der Roten Karte in Ihrem Buch auf sich?

Diese roten Karten sind eher zur Verbreitung des Buches sowie der Aktion in Verbindung mit dem Internetportal gedacht. Der Arbeitslose soll sich eine Karte aus dem Buch heraus trennen und diese seinem Sachbearbeiter zeigen. Wie das im einzelnen vor sich geht, habe ich wie folgt sowohl im Buch als auch auf der Internetseite geschrieben:

  1. Im Buch finden Sie 3 “Rote Karten
  2. Zeigen Sie Ihrem Sachbearbeiter die Rote Karte, wenn er/sie:
    a) Eine besonders unsinnige Aktion oder Entscheidung zu Ihrem Fall getroffen hat.
    b) Eine extrem nutzlose Maßnahme angeordnet hat.
    c) Frech, gemein oder abwertend zu Ihnen war.
    d) Irgendwie sonst zu den 77 Schikanen hier im Buch passt.
  3. Schildern Sie auf www.arbeitslosengeld-2.de die Schikane, die Ihrem Sachbearbeiter die “Rote Karte” eingebracht hat.
  4. Benennen Sie den Ort und den Namen Ihres Arbeitsamtes, ich erstelle eine Übersichtskarte.
    Es ist also eine Verbindung zwischen Buch und Internetportal, wobei noch eine Übersichtskarte von Deutschland entstehen wird, welche die “Hochburgen” deutscher Arbeitsamtbürokratie mit roten Punkten darstellt. Je größer der Punkt, umso häufiger wurde diese Stadt gemeldet.

Die schlimmste Geschichte aus Ihrem Buch?

Schlimm kann man selbstverständlich unterschiedlich auslegen, ich verstehe Ihre Frage für mich als die schlimmste emotionale und menschliche Geschichte und zwar folgende:

“Behindertes Kind ins Heim” auf Seite 8 und im Netz unter http://www.arbeitslosengeld-2.de/2010/10/behindertes-kind-ins-heim/

oder Folgende

“Sie hätten ja auch abtreiben können” diese ist bisher nur online verfügbar:
http://www.arbeitslosengeld-2.de/2012/03/zwischen-recht-und-unrecht-brauchen-wir-hier-nicht-zu-diskutieren-ich-hatte-ja-die-wahl-abtreiben-zu-konnen/

Zwischen diesen beiden Geschichten schwanke ich und weiß nicht was menschlich schlimmer ist, oder anders ausgedrückt, wo die betreffende Arbeitsagentur am unmenschlichsten gehandelt hat.

Was muss sich beim Arbeitsamt ändern?
Das fragen Sie besser die Betroffenen. Ich als Außenstehender kann die Schikanen und das seelische Unheil, was dort angerichtet wird nicht nachvollziehen, eben weil ich es nicht selbst erlebe, sondern nur in den Geschichten nachlesen kann. Wenn ich einen Vorschlag machen müsste: Man sollte die Arbeitslosen eher als Menschen behandeln und nicht als Zahlen in einer großen Statistik. Das würde mit Sicherheit schon mal sehr viel helfen und zwar allen Betroffenen.

Haben Sie ein Tipp für unsere Leser im Bezug auf Arbeitsamt oder auf die Karriere?
Ein Tipp für die Arbeitslosen: Versucht vielleicht im Internet Möglichkeiten zu nutzen, um Geld zu verdienen. So könnte man den Ausstieg aus dieser Tretmühle schaffen.
Ich habe viele Arbeitslose, nicht nur in meinem Portal gesehen, die gut schreiben können. Warum sollte so ein Mensch nicht auch einen eigenen Internetblog oder Ähnliches neben der Arbeitslosigkeit betreiben, um (nicht gleich, aber in absehbarer Zukunft) ein paar Euros dazu zu verdienen. Mit etwas Glück und eigenem Antrieb kann man so ein eigenes Internetgeschäft aufbauen und vielleicht sogar sein Talent und sein Hobby zum Beruf zu machen. So habe ich zum Beispiel auch angefangen.

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