Ersetzen Nischen-Jobbörsen die Filterfunktion?

18. Januar 2013

Zum Start von karriereblog.net war einer unserer ersten Posts die Vorstellung von Jobbörsen, immerhin beginnt in der heutigen Zeit in aller Regel dort die Suche nach dem neuen Arbeitsplatz, um die Karriereleiter zu erklimmen.
Was für Absolventen von klassischen Studienfächern wie BWL, Jura und Kommunikationswissenschaften ein sehr guter Ansatz ist, vermag bei spezielleren Anforderungen in ewiges Gesuche ausarten – nicht zuletzt wegen fehlender Filtermöglichkeiten bei den meisten Seiten.
Die Lösung lautet hier – wie „damals“ zu Print-Zeiten ebenfalls – das Ausweichen auf Nischen-Jobbörsen. Was früher die Fachmagazine mit angehängtem Arbeitsmarkt Teil waren, sind heute auf spezielle Branchen ausgelegte Berufsportale. Zu eng darf es nicht gefasst sein, denn wie es so schön aus dem Personalerbereich heißt: „Der größte Vorteil vom Print war der Streuverlust.“ Was zunächst widersinnig klingt, wird bei genauerem Betrachten des Problems durchaus nachvollziehbar. Menschen, die nicht nur die Arbeitsstelle sondern gleich den Beruf wechseln wollen, bekommen dank Streuverlust leichter neue Informationen und Inputs. Doch des einen Freud, des anderen Leid: mangelnde Filter erschweren die Suche nach dem neuen Jobangebot, ein exakter Begriff dagegen lässt vieles unberücksichtigt.

Einen goldenen Mittelweg versuchen die Nischenjobbörsen: grob bis fein unterteilt, Neues ermöglichen und trotzdem den Traumjob finden. Klingt gut, aber läuft es auch so? Wir schauen nach.

Los geht’s mit http://www.pharmajobs.com/ einer relativ neuen Seite auf dem Markt. Wie der Name vermuten lässt, geht es um Medizin, Biotechnologie, Chemie und Co. – klassischer Pharmabereich also. Die Fachbereiche sind sauber untergliedert, die Anzahl der Jobs überschaubar. Eine Filterung nach Anstellungsort fehlt leider, dafür sind alle angebotenen Jobs sehr aktuell. Bei einer Skala von 0 (Streuverlust) bis 5 (exakte Treffer) geht der Trend in Richtung 2.

Vom gleichen Betreiber, jedoch gänzlich andere Sparte, ist die Seite http://www.bankjob.de/ Da der Aufbau identisch ist, gilt das Gleiche wie bei der Seite zuvor: ok, aber verbesserungswürdig.

Weiter geht es zu boersenblatt.net der laut eigenen Angaben größten Stellenbörse für das Verlagswesen und die Buchbranche. Am Tag der Artikel-Veröffentlichung sind 47 Anzeigen gelistet, 15 werden auf jeder Seite dargestellt. Auch hier wieder: vordefinierte Filter nach Ort: Fehlanzeige. Hier fehlt sogar eine Untergliederung in einzelne Bereiche. Einzig per Suchbegriff lässt sich in den Kategorien Alle, Buchhandel, Verlag und Sonstige stöbern. Aber bei der Anzahl klickt sich der Besucher wohl lieber selber durch, um keine relevante Anzeige zu übersehen.

Weit mehr Jobs gibt es bei beck-stellenmarkt.de einer branchenspezifischen Jobbörse für Recht und Steuern. Dort gibt es zumindest eine Eingrenzung nach Bundesland, darüber hinaus aber sehr gut gestaltet weitere Filter wie Art des Arbeitgebers, Fachgebiet und Tätigkeit. Fazit: übersichtlich und effizient, einzig der angegebene Einsatzort stimmt meist nicht mit den Angaben in der Anzeige überein.

Dass aber auch Seiten mit Datumsstempel 2011 schon zu Dinosauriern unter den Jobbörsen gehören können, zeigt http://listserv.uni-heidelberg.de/science-jobs-de/sjd.html Wer sich hier ins WWW-Archiv klickt kommt zu erstaunlich aktuellen Angeboten, die Seite selbst scheint aber so, als wurde sie in den 90er aufgesetzt und dann vergessen. Wer viel Zeit für die Jobsuche aufbringt, wird hier aber vielleicht ja dann doch fündig.

Der kleine Ausflug in die Welt der Nischen-Jobbörsen über Google offenbart eine kleine Binsenweisheit: wer sucht, muss letztlich wie zu Printzeiten viel selber filtern. 2013 kann es also nur besser werden: hoffentlich mehr Filterfunktionen, die Unnötiges aussortieren, besser konfigurierte Crawler und semantische Suchen, die den ersten Punkt eigentlich unnötig werden lassen.

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