Einstellungsgespräche und ihre Gesetze – Teil 1

23. März 2012

Fast jeder, der einer bezahlten Tätigkeit nachgeht, kennt das Vorspiel: nach erfolgreicher Bewerbung lädt das Unternehmen zum Einstellungsgespräch. Dass es hierbei etliche Stolperfallen gibt, ist jedem klar. Doch dass der Bewerber zum Beispiel bewusst lügen darf, ohne rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen, schon wieder nicht.

Natürlich gilt das soeben Genannte nur sehr eingeschränkt, aber es zeigt sehr schön, dass eine richtig gute Vorbereitung unablässig ist.


Der Gesetzgeber in Deutschland aber auch die EU regelt, was rechtlich zulässige Fragen sind und was nicht. Nun gibt es nicht wirklich einen Katalog mit sämtlichen Einzelfällen, sondern eine Vorgabe, welche dann auf jeden persönlich umgemünzt werden muss. Der Personaler darf grundsätzlich alles fragen, was für das Arbeitsverhältnis relevant ist. Das klingt schon alles ein wenig kompliziert und für Laien eher schwer verständlich.

Zulässig oder verboten?

Der Arbeitgeber darf im Bewerbungsgespräch durchaus fragen, ob ich eine Vorstrafe wegen Unterschlagung habe, wenn ich -mal angenommen- bei einer Bank anfingen will. Auch ein Taxiunternehmen darf wissen, ob ich wegen Fahren unter Alkoholeinfluss schon einmal Schwierigkeiten mit der Justiz hatte. Ob diese Vorstrafe wiederum eine Bank zu interessieren hat, die einen Büromitarbeiter einstellt, ist hingegen schon fraglich.

Ist das Thema Vorstrafen noch ein wenig undurchsichtig, gibt es zu anderen Fällen ein paar ganz konkrete Entscheidungen, unter anderem vom Europäischen Gerichtshof. Fragen, welche zur Schwangerschaft gestellt werden, sind unzulässig (PDF hier). Taucht im Arbeitsvertrag die Frage nach der Schwangerschaft auf (“Sind Sie schwanger, wenn ja, welcher Monat” / “Ist eine Schwangerschaft geplant?” etc.), kann der Arbeitgeber dafür abgemahnt werden!

Lügen erlaubt?

Um solchen Abmahnungen zu entgehen, stehen diese Fragen dann nicht im schriftlichen Vertrag; der Personaler ist aber durchaus vom Chef oft angehalten, die Antworten hierzu herauszufinden. Nun hätte also die Bewerberin die Möglichkeit, die Antwort auf die Frage der Schwangerschaft zu verweigern. Doch gerade im Gespräch kann das sehr unangenehm wirken – und genau deswegen erlaubt der Gesetzgeber bei unzulässigen Fragen- und nur hier – konkret das Lügen.
Denn wird die Antwort verweigert, kann sich der Fragesteller schon denken “aha, dann ist wohl…” und entsprechend seine Entscheidung zum Nachteil des Bewerbers fällen. Eine Lüge bei einer unzulässigen Frage hingegen ist – sollte sich später eben anderes rausstellen – kein Grund für eine Abmahnung oder Kündigung.