Deutsche in der Schweiz – zwischen Polemik und Idylle

22. August 2012
Schweiz

Illustration: karriereblog.net
(CC BY 3.0 DE)

In der Schweiz leben und arbeiten rund 280.000 Deutsche (Stand April 2012), seit dem Freizügigkeitsabkommen der EU mit der Schweiz 2002 hat sich die Zahl der in der Schweiz lebenden Deutschen von 140.000 Personen verdoppelt. 
Der im Vergleich viel höhere Lohn, die niedrigeren Steuern und offene Stellen locken in das „Land der Berge, der Ruhe und des Wohlstands“. Zwar dürfen bei der Kalkulation die hohen Miet- und Lebensmittelpreise nicht vergessen werden, doch insgesamt scheint die Schweiz von Deutschen als Idylle in nächster Nähe gesehen zu werden.

Die Zahlen
Umgekehrt lebten 2011 rund 80.000 Schweizer in Deutschland. Im Vergleich zur schweizerischen Gesamtbevölkerung (knapp 8 Mio.) geht jeder hundertste Schweizer bzw. 1 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland arbeiten. Hingegen ist der Prozentsatz der Deutschen in der Schweiz gemessen an der der deutschen Gesamtbevölkerung (knapp 82 Mio.) einiges tiefer bei nur 0,34 Prozent. Deutsche scheinen in der Schweiz mehr aufzufallen als Schweizer in Deutschland. Sicherlich hat das einerseits mit dem jeweiligen Verhältnis von Gesamtbevölkerung und Ausländergruppe zu tun. Andererseits wird – zumindest in den Schweizer Medien – das Thema „Deutsche in der Schweiz“ immer wieder polemisch diskutiert. Vor allem scheint die Befürchtung geschürt zu werden, Arbeitsplätze würden von Deutschen weggeschnappt. Dabei bilden die Deutschen nicht einmal die grösste Ausländergruppe, Italien steht hier an erster Stelle. Zudem ist erwiesen, dass die Schweizer Wirtschaft als Gesamtes von den deutschen Arbeitskräften profitiert, wenn sie nicht gar von ihnen und den anderen ausländischen Arbeitskräften abhängig ist.

Vor(ur)teile
60 Prozent der deutschen Einwanderer sind hochqualifiziert, viele besetzen Stellen als Ärzte und Spitalpersonal, als Uni-Professoren, Ingenieure oder Manager, für welche ähnlich qualifizierte Fachkräfte sonst fehlen würden. Gerade bei den mathematisch-technischen Berufen (MINT), aber auch bei Uni-Professoren besteht in der Schweiz Rekrutierungsbedarf. Solange dieser Bedarf nicht abgedeckt ist, sind Deutsche nicht nur fachlich willkommene Arbeitskräfte. Dass der „grosse Bruder“ kulturell der Schweiz ähnlich ist, begünstigt ebenfalls die Zusammenarbeit. Gerade deswegen, so argumentieren einige, werden Unterschiede, die doch bestehen, stärker wahrgenommen. Immer wieder liest man, dass sich Deutsche in der Schweiz nicht willkommen fühlen. Man kennt ausserdem die gängigen Vorurteile: Deutsche gelten als eher arrogant und daher aus Schweizer Sicht als unhöflich und Hierarchie gläubig. Schweizer hingegen als humorlos, spiessig und reserviert. Dass sich solche Klischees bei tatsächlichen Bekanntschaften selten bewahrheiten, wurde im April auch in den Medien durch eine Umfrage der Schweizer Boulevardzeitung SonntagsBlick bestätigt. Dies lässt hoffen, dass in Zukunft auch in den Medien Vorbehalte gegen Deutsche immer mehr Vergessenheit geraten, Deutsche sich in der Schweiz willkommen fühlen und beide Parteien nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell vom Austausch profitieren. Übrigens finden sowohl Schweizer und Deutsche alle freien Stellen aus der Schweiz auf www.jobagent.ch.

Gastbeitrag: Charlotte Briner vom Jobagent-Team